„Malen? Das kann ich nicht.“

oder: „Das ist doch was für Kinder.“

Gedanken, die in unserer Gesellschaft leider weit verbreitet sind. Malen und Gestalten wird oftmals vorschnell an eine bestimmte Altersgruppe (in diesem Fall – Kinder) festgemacht. Das komplette Gegenteil ist jedoch der Fall. Das Kreative Tun und die Mal- und Gestaltungstherapie im Generellen stellen eine nonverbale Ausdrucksform für alle Generationen dar. Für Kleinkinder, Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Der kreative Prozess, stellt somit einen wertvollen Beitrag zur mentalen und psychischen Gesundheit und zum inneren Wohlbefinden für ALLE dar.

Wie kam es zu diesem Denken?

Kinder stehen kreativen Tätigkeiten äußerst offen gegenüber und widmen sich in ganz selbstverständlicher Weise ihren kreativen Prozessen. Ihre Gefühle, Ideen, Träume, Sorgen und Ängste fließen stets unbewusst in ihr Gestalten mit ein. Unglaubliche Gedanken und Erfindungen werden zu Papier gebracht, konstruiert und gebaut. Kinder handeln stets intuitiv und spontan. Sie lassen ihren Empfindungen freien Lauf und finden so im Malen und Gestalten die Möglichkeit sich der Welt mitzuteilen.

„Einfach mal ausprobieren, ohne viel Grübelei…“

Wir alle tragen dieses kreative Potential also von Geburt an in uns. Leider geht die Kreativität auf unserem Lebensweg oftmals Stück für Stück verloren. Erziehung, Ausbildung, gesellschaftliche Normen und noch einiges mehr…sind Faktoren, die dabei eine Rolle spielen. Auf unserem Weg kommt es immer wieder zu Bewertungen und Beurteilungen von Bildern, Träumen, Ideen und Bauwerken – wir hören Wörter wie: „richtig, falsch, schön, zu ungenau“…

Viel zu oft gibt es genaue Vorgaben, wie ein bestimmtes „Endprodukt“ hergestellt wird und dieses abschließend auszusehen hat. Der kreative Prozess und das „einfach TUN“, treten so immer weiter in den Hintergrund. Das Gefühl der Freiheit, dass wir als Kinder beim Malen und Werkeln erlebt haben – als wir noch keine „Experten“ sein mussten und keinen Druck auf uns selbst ausgeübt haben, nimmt immer weiter ab.

So haben viele von uns verlernt, auf unsere Kreativität zu vertrauen.

„Jedes Kind ist ein Künstler. Das Problem ist nur, ein Künstler zu bleiben, während man erwachsen wird.“

PABLO PICASSO

Wie können wir es schaffen und unsere Kreativität wiederentdecken?

Es bedarf einerseits Mut, diesen ersten Schritt zu machen und etwas Neues (eigentlich ja altbekanntes) erneut auszuprobieren. Im gleichen Atemzug benötigt es natürlich auch einige Anstrengung, unserem inneren Kritiker kein Gehör zu schenken.

Wenn wir dem kreativ sein mit Neugierde und Offenheit begegnen, hilft es uns unter anderem dabei, eigene Stärken wiederzuentdecken, unser Wohlbefinden zu steigern und Klarheit in uns selbst zu finden.

Von essentieller Bedeutung ist es deshalb, die große, vielfältige Kreativität unserer Kinder von Beginn an zu unterstützen. Ihnen Raum und Zeit zum kreativen TUN und SEIN mit allen Sinnen zu bieten. Ihnen stets Halt und Unterstützung zu geben.

Ihre Faszination und ihre bunte Vorstellungskraft wahrzunehmen und ihre Freude am kreativen Prozess (Erkunden, Experimentieren…ohne „Endprodukt“) mit zu erleben – damit sie auf ihrem Lebensweg, stets von tiefem Vertrauen in ihre Kreativität, ihre Visionen und Stärken begleitet werden.